ReclaimingStT: „Wofür lohnt es sich zu leben? Und das mit den Werten…“ 23.07.2026
„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.“ Albert Camus
(Der erste Satz aus sein Buch “ Der Mythos des Sisyphos“)
Urlaubszeit ist und so blieben auch die Besucher fern. Schließlich diskutierten 2 der Gründungsmitglieder von Reclaiming Graz, nachdem sie Orakel legten, über was sich für sie zu leben lohnt.
Gedanken u.a. von Albert Camus, Viktor E. Frankl, Osho, Jiddu Krishnamurti wurden vorgetragen und dienten als Gesprächsanregung…
Auch anhand der Werteaufstellung verglichen wird unser eigenes Wertesystem. Es war inspirierend und auch durch die Getränke berauschend 🙂
Einige der aufgelegten Textstellen:
Wofür lohnt es sich zu leben?
Sinngemäß würde der Existentialist – Philosoph Albert Camus antworten:
„Mitten im Winter entdeckte ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.“
Das Leben muss sich nicht lohnen, um lebenswert zu sein. Es genügt, es bewusst, frei und leidenschaftlich zu leben.
Nach Jiddu Krishnamurti entsteht ein sinnvolles Leben nicht dadurch, dass man einen vorgegebenen Lebenszweck findet. Vielmehr entsteht es, wenn man:
- sich selbst ohne Selbsttäuschung beobachtet,
- frei von Angst und psychologischer Abhängigkeit wird,
- im gegenwärtigen Moment lebt, statt ständig Vergangenheit oder Zukunft nachzuhängen,
- Liebe und Mitgefühl nicht als Ideale verfolgt, sondern als natürliche Folge eines klaren Geistes erfährt.
Er hätte vermutlich gesagt, dass die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ bereits in die Irre führen kann. Für ihn war die wichtigere Frage: „Kannst du dein Leben jetzt vollständig wahrnehmen – ohne Flucht, ohne Ideologien, ohne Angst?“ Wenn das gelingt, erübrigt sich die Suche nach einem abstrakten Sinn.
Der Psychiater Viktor Emil Frankl schrieb nicht, dass der Mensch sich einen Sinn ausdenken müsse. Er meinte vielmehr, dass das Leben uns in jedem Augenblick eine Frage stellt und wir durch unsere Antwort darauf Sinn verwirklichen.
„Dem Menschen kann alles genommen werden, nur eines nicht: die letzte der menschlichen Freiheiten – seine Einstellung zu den gegebenen Verhältnissen zu wählen.“
„Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“
Sinnmomente in der Gegenwart:
- Durch Schaffen oder Tun.
- Eine Aufgabe erfüllen.
- Jemandem helfen.
- Etwas erschaffen.
- Durch Erleben.
- Die Schönheit eines Sonnenuntergangs.
- Musik hören.
- Ein tiefes Gespräch.
- Die Begegnung mit einem geliebten Menschen.
Frankl betonte, dass solche Augenblicke nicht „klein“ sind – sie sind bereits sinnvolle Erfahrungen.
- Durch die Haltung zum Unvermeidbaren.
- Wenn Leid nicht mehr verändert werden kann, bleibt die Freiheit, ihm mit Würde zu begegnen.
Jeder Augenblick enthält eine einzigartige Möglichkeit, Sinn zu verwirklichen – und wenn dieser Augenblick vorüber ist, kehrt genau diese Möglichkeit nie wieder zurück.
Das verleiht selbst alltäglichen Momenten Gewicht.
Osho (Bhagwan Shree Rajneesh) Für ihn war das Leben kein Mittel zu einem Zweck – es braucht keinen äußeren Sinn, weil es selbst der Sinn ist.
„Life is not a problem to be solved, but a mystery to be lived.“
„Das Leben ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Geheimnis, das gelebt werden will.“
„Be — don’t try to become.“
„Sei – versuche nicht, jemand zu werden.“
„The moment you start looking for the meaning of life, you have already missed life.“
„In dem Moment, in dem du nach dem Sinn des Lebens suchst, hast du das Leben bereits verpasst.“
„Celebrate life.“
„Feiere das Leben.“
„Love, laugh, dance, meditate.“
Diese vier Worte fassen einen großen Teil seiner Lehre zusammen: Liebe, Humor, Lebendigkeit und Bewusstheit.
Sinngemäß würde Osho über Sinn sagen:
- Lebe nicht für etwas – lebe vollständig.
- Das Leben ist kein Projekt, das abgeschlossen werden muss.
- Freude, Liebe, Kreativität und Meditation sind keine Mittel zum Sinn; sie sind Ausdruck eines erfüllten Lebens.
- Wer ständig nach einem zukünftigen Sinn sucht, übersieht die Lebendigkeit des gegenwärtigen Augenblicks.
„Lebe so total, dass jeder Augenblick Selbstzweck ist.“
Schwartz (Shalom H. Schwartz.) Theory of Basic Human Values. Seine Forschung gilt heute als einer der wichtigsten Standards der Werteforschung.
Er identifizierte zehn grundlegende Wertetypen:
- Selbstbestimmung (Unabhängigkeit, Kreativität)
- Stimulation (Abwechslung, Herausforderung)
- Hedonismus (Freude, Genuss)
- Leistung (Erfolg, Kompetenz)
- Macht (Status, Einfluss)
- Sicherheit (Stabilität, Schutz)
- Konformität (Regeln einhalten)
- Tradition (Kulturelle und religiöse Bräuche)
- Wohlwollen (Fürsorge für nahestehende Menschen)
- Universalismus (Gerechtigkeit, Toleranz, Schutz von Mensch und Natur)
„Vom Denken zum Intuieren, zum Fühlen, zum Empfinden“ beschreibt einen Weg, den viele philosophische und spirituelle Traditionen kennen. Gemeint ist nicht, das Denken abzulehnen, sondern ihm nicht die alleinige Herrschaft über das Leben zu überlassen.
Man könnte die vier Begriffe so verstehen:
- Denken – analysieren, vergleichen, planen, bewerten. Das Denken ist ein wertvolles Werkzeug, kann aber in Grübeln und endlosen Fragen gefangen bleiben.
- Intuieren – eine unmittelbare Einsicht, die nicht Schritt für Schritt hergeleitet wird. Ein stilles Wissen, das oft erst hörbar wird, wenn der Geist ruhiger ist.
- Fühlen – die bewusste Wahrnehmung von Emotionen wie Freude, Trauer, Angst oder Liebe, ohne sie sofort zu bewerten.
- Empfinden – die unmittelbare Erfahrung des Lebens über die Sinne und den Körper: den Wind auf der Haut, den Atem, den Klang der Vögel, die Wärme der Sonne. Es ist die direkteste Form des Gegenwärtigseins.
Ein kurzer Satz, der diese Bewegung zusammenfasst, könnte lauten:
„Der Verstand erklärt das Leben. Das Empfinden lässt es erfahren.“
Oder:
„Der Kopf sucht Antworten. Das Herz erkennt. Die Sinne erfahren.“
Letztlich geht es nicht darum, weniger zu denken, sondern darum, das Denken an seinen richtigen Platz zu setzen – als Werkzeug statt als ständigen Mittelpunkt der Erfahrung. Viele Menschen erleben, dass sich dadurch mehr Ruhe, Lebendigkeit und Verbundenheit mit dem gegenwärtigen Augenblick einstellen.
–> nächster Stammtisch schon am 6. August 2026 wie immer 20:00 Cheers, vermutlich Thema Heilung – die 1. Getränkerunde wird übernommen!