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Mabon, 23.09.2018

Goldener kann der Sommer nicht Abschied nehmen, leuchtender der Herbst nicht Einzug halten! Am Tag, an dem das Licht die Dunkelheit küsst, zur Herbst-Tag-Nacht-Gleiche, zu Mabon treffen wir uns in einem versteckten Garten. Alte Apfelbäume besiedeln ihn, es duftet wunderbar nach Ernte und die hohe Hecke umarmt uns wie eine schützende Mauer. Die Luft ist weich und mild an diesem Nachmittag.

Es ist ein Garten, der einlädt, entdeckt zu werden, ein Paradies für die Kinder! Ja, auch Kinder nehmen an den Jahreskreisfesten teil. Sie sind unsere Nachfahren, die unsere Ahnenlinien fortführen. Die Früchte unserer Saat, die wir stolz in die Welt entlassen dürfen. Sie sind es, die noch eng mit der Natur verbunden sind, die uns helfen, die Verbindung zu halten.
Deshalb sind sie nicht nur dabei, sie nehmen auch aktiv am Geschehen teil: Sie helfen bei der reinigenden Räucherung, sie rufen die Geister der Elemente. Ein sanfter Wind streicht durch die Apfelbäume, die Geister antworten dem Ruf.

Eine Teilnehmerin schlägt die Trommel, ihr Rhythmus hält den Kreis zusammen. Denn bei aller Ungezwungenheit und Dankbarkeit für die reiche Ernte dieses Sommers, sind wir uns heute besonders bewusst, dass die Zeit des Überflusses zu Ende geht. Die Gedanken schweifen gerne ab, in die Erinnerung an die schöne Ferienzeit, aber auch in die Zukunft, zum kommenden Winter. Wir stehen, wieder einmal, an einer Schwelle. Bei diesem Fest wechseln sich Genuss und Freude stetig ab mit der Innenschau. Der heiße, gewürzte Apfelsaft erfreut die Sinne, doch er bringt auch die ersten Flämmchen des wärmenden Feuers in unser Inneres. Feuer und Wärme, die wir brauchen werden, wenn die dunkle, kalte Jahreszeit kommt.

Dieses Feuer hält uns heute noch lange. Als das Ritual schon längst beendet ist, bis spät in die Nacht hinein, bleiben wir sitzen. Wir braten Maroni, atmen in der lauen Luft die letzten Düfte des Sommers, halten uns am Lichtschein fest, während sich die kühle Dunkelheit wie ein schützender Schleier um uns legt. Die Zeit der Ruhe beginnt…

Fotos: http://www.reclaiming.at/mabon2018-2/

Übungsabend 07. Juni 2018

Der Dermatologe zaubert Buntstifte und Rasseln aus seiner Tasche, die Psychologin gähnt und der Student der Geschichte versucht, im Raum anzukommen. Die Religionslehrerin hat Marillen mitgebracht.
Während die Gespräche langsam zueinander finden, sitzt die 7-jährige Tochter der Kinderbuch-Autorin mehr oder weniger gelangweilt neben ihrer Mama und versucht immer wieder, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Es ist eine sehr gemischte Gruppe, die heute Abend gemütlich hier im Grazer Spektral zusammensitzt. Wir diskutieren über die Vor- und Nachteile der Psychoanalytik gegenüber scheinbar schnelleren Methoden wie zum Beispiel Hypnose-Therapie und sprechen darüber, welche Methoden es gibt, um die 3 Selbste im Gleichgewicht zu halten. Wir sind uns einig, die tägliche Praxis hilft ebenso wie eine Gemeinschaft in der man sich austauschen und mit der man wichtige Ereignisse feiern kann. Denn das ist das Thema des Abends: die Lebensenergie.

Dazwischen wird immer wieder gesungen, gerasselt und getanzt – auch das hält die Lebensenergie am Fließen, vor allem, so spät am Abend, wenn alle müde von der Arbeit sind. Wir lachen, essen, trinken und diskutieren. Es stört niemanden, wenn sich einer einmal in ein Thema vertiefen will und das Gespräch kurz abschweift, denn die Menschen hier im Raum verbindet vor allem eines: der Respekt voreinander.

Trotzdem schafft es der Diskussionsleiter, dieses Mal Ceru, immer wieder geschickt, das Gespräch zurück zu holen. Auf diese Weise entwickelt sich der rote Faden des Abends zu einem strahlenförmigen Stern, der um das Zentrum „Lebensenergie“ tanzt.

Inspirierend, entspannend oder einfach nur schön, jeder empfindet diese Treffen anders. Doch am Ende trennen sich heute Menschen, die sich wieder treffen werden. Weil sie miteinander reden und voneinander lernen können. Vor allem aber, weil sie wissen, dass sie hier respektiert und ernst genommen werden, obwohl, oder gerade weil hier die pure Lebensfreude mit all ihren Facetten, auch den traurigen und wütenden, immer im Mittelpunkt steht.